Snooker – Englands Export erobert...

Februar 10, 2016

Snooker-Billard gewinnt in Deutschland immer mehr Fans. Als erste nichtolympische Sportart erreicht der englische Export-Artikel bei den TV-Übertragungen mehr als eine Million Zuschauer. Angesichts von langsamen Schnitten, fehlenden Superlativen und deutschen Stars sowie wenig Action ist das kaum zu erklären.

Ruckzuck sprang Shaun Murphy auf die Beine. Mund und Augen waren empört aufgerissen, der Snooker-Weltmeister von 2005 drohte die Vorstellungsrunde zu verlassen. Was natürlich Theater und der scherzhaften Bemerkung des Moderators geschuldet war, die World Series of Snooker (WSS) sei ja fast so etwas wie eine schottische Meisterschaft. Gegen solch eine Sottise muss sich ein wahrhafter Engländer wehren, selbst wenn die Entrüstung des 25-Jährigen nur gespielt war. Immerhin, Murphy blieb in Berlin und verlieh am Wochenende im dortigen Tempodrom der Sportart weltmeisterlichen Glanz.

Ein Glanz, den das britische Exportgut kaum noch nötig hat. Snooker – eine komplizierte Variante des Billard – ist laut Eurosport-Moderator Rolf Kalb die erste nichtolympische Sportart, die die Eine-Million-Zuschauer-Grenze des Senders geknackt hat. "Der Rummel um Snooker ist kaum zu erklären", wundert sich der ob seiner Kompetenz in der Szene geschätzte Moderator. Wer mit so einer Idee heute zu seinem Chef komme, dem drohe eher der Rauswurf: "Langsame Schnitte, keine Superlative bei den Kommentaren, kaum Action."

Eurosport übertrug sechs Stunden

Und doch funktioniert das Ganze, weshalb Eurosport für die WSS am Wochenende gleich sechs Stunden seiner Sendezeit opferte. Für ein Schauturnier, wohlgemerkt, auch wenn der Weltranglistenzweite und drei frühere Weltmeister daran teilnahmen. Neben Murphy waren das die Schotten Stephen Maguire (27), Graeme Dott (31, Weltmeister 2006) und John Higgins (33, Weltmeister 2007).

Letzterer hatte die Idee zu den WSS, bei denen vier Snooker-Asse gegen die vier besten Spieler des jeweiligen Landes antreten – auch wenn das zumeist eine sehr einseitige Angelegenheit sein dürfte. Am Wochenende hatten die Favoriten in Berlin nach dem Viertelfinale bereits für Klarheit gesorgt: Für Dott (4:1 gegen Chris McBreen), Maguire (4:0 gegen Hans Blanckaert) und Murphy (4:0 gegen Patrick Einsle) sollte das Ganze ein Spaziergang werden, während Lasse Münstermann mit 3:4 gegen den Initiator Higgins fast eine Überraschung geschafft hätte.

So wird es wohl nach Zwischenstationen der WSS in Moskau und Warschau am Ende des Jahres bei den Grandfinals in Düsseldorf darauf hinauslaufen, dass die Männer von der britischen Insel das Preisgeld von 150.000 Euro im abschließenden Turnier unter sich aufteilen. Doch solche Verläufe tun dem Publikumsinteresse keinen Abbruch. Um acht Prozent hat Eurosport mit der letzten Snooker-WM seine Einschaltzahlen erhöhen können, obwohl Deutsche bei diesem Turnier keine Rolle gespielt haben.

"Jeder wollte sofort mitmachen"

Kein Wunder also, wenn es für Higgins ein leichtes war, seine Profikollegen mit ins Boot zu holen: "Jeder, den ich angesprochen habe, wollte sofort mitmachen", sagt er und fügt Augen zwinkernd hinzu: "Nur Ronnie O'Sullivan war etwas zu teuer", weshalb der Weltmeister von 2008 nicht mit auf Tour ist.

Für Murphy, dem mit O'Sullivan ein englischer Mitstreiter gegen die schottische Übermacht fehlt, ist das bedauerlich. Dennoch versenkte er mit 99 Punkten im vierten Durchgang den Füssener Patrick Einsle in der Versenkung und zog ins Halbfinale gegen Maguire ein. Auch wenn sich Murphy damit nur bedingt Sympathien in Deutschland erworben haben mag, dürfte die WSS mit solchen Demonstrationen ihr Ziel erreichen: "Wir", sagt der Engländer Murphy und meint damit ausnahmsweise mal auch seine schottischen Kollegen, "werden jetzt häufiger auch in Deutschland erkannt."

Comments 1

EmiliaJuicy
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