Dieser Brite ist der König des Kne...

Februar 10, 2016

Der Brite Barry Hearn macht aus Nischendisziplinen wie Snooker, Darts oder Poolbillard große TV-Events – und damit eine Menge Geld. Sein jüngstes Projekt: Ping Pong. Und er hat noch weitere Pläne.

Die Zettel klebten an jeder Ecke in den Siedlungen von Dagenham. Draußen vor den Toren Londons bot eine Gruppe Teenager ihre Dienste an: Autowaschen, Fensterputzen, Babysitting, Gartenarbeiten – gegen Bezahlung. "Ja, ich habe bereits damals nach Wegen gesucht, Geld zu verdienen", sagt Barry Hearn mehr als 50 Jahre später und lacht, "ich wollte immer schon das Haus auf dem Hügel." Der 66-Jährige ist braun gebrannt, das Haar ergraut, doch seinen ursprünglichen Antrieb hat er sich bewahrt, auch wenn er mittlerweile auf der ganzen Welt Büros und Immobilien besitzt – Hügel inklusive.

An diesem Montag wird er in Sheffield den neuen Weltmeister im Snooker küren. Seit 1977 wird das Turnier im ehrwürdigen Crucible Theatre ausgetragen, seit fünf Jahren ist es sein Turnier. Aus dem kleinen Barry mit den Zetteln wurde ein einflussreicher Promoter, "Snookers Mr. Big". Mehr noch: Mit Rand- und Kneipensportarten wie Angeln, Darts und Snooker wuchs Hearn zum weltweit größten Produzenten von Sport im TV. Sein Unternehmen "Matchroom Sport", in dem auch Sohn Eddie und Tochter Katie arbeiten, liefert mehr als 40.000 Stunden jährlich. Ein Großteil davon: Snooker.

Hearn hat der komplexesten Variante des Billards in Großbritannien zum großen Comeback verholfen. Nachdem die fetten Jahre der Achtziger und Neunziger vorbei waren, stieg das Interesse auf der Insel in den vergangenen zwei Jahren wieder deutlich an. Parallel vermarktete Hearn den Sport auch international, erschloss den europäischen und asiatischen Markt. "Nach der großen Zeit wurde Snooker einfach schlecht promotet, das Management war faul und zufrieden. Aber so stand die Tür für mich offen, um den Sport im Dezember 2009 zu übernehmen", sagt er, "die hatten damals einen dicken TV-Vertrag mit der BBC und dachten, das wäre es. Aber da draußen ist eine große, weite Welt. Und du kannst mit sechs Turnieren pro Jahr keine professionelle Sportart aufziehen.

Heute sind es 36, aus einer britischen Tradition wurde ein globaler Sport. In Shanghai gibt es mittlerweile mehr Snookerhallen als im Rest der Welt. Die größte Kulisse hat das German Masters in Berlin: 2000 Zuschauer verfolgten im Februar die täglichen Sessions im Tempodrom. "Deutschland ist Vorläufer und Vorbild. Nirgendwo auf der Welt gibt es eine bessere Stimmung", so Hearn, "aber der Markt ist der seltsamste, den ich je gesehen habe." Es gibt keinen deutschen Snookerspieler in der Weltspitze, doch bei Mark Selbys WM-Sieg 2014 gegen Ronnie O'Sullivan saßen mehr als eine Million Deutsche vor dem TV.

Die Zuschauerzahlen steigen, die Fernsehpräsenz wächst, das Preisgeld ebenso. "Schon das Masters im Januar in London war ein Rekordturnier. Nie zuvor haben wir so viel Geld verdient, nie zuvor hatten wir so viele Zuschauer", klappert Hearn, ebenfalls Vermarkter und Vorsitzender des Verbands Worldsnooker.

Warum Ping Pong der nächste Hit wird

Begonnen hatte alles 1974 in Romford (Essex). Im Auftrag einer Firma kaufte Hearn Snookerhallen, und als der Arbeitgeber pleiteging, übernahm er selbst eine Halle, veranstaltete Turniere und lernte Spieler kennen: Steve Davis, Tony Meo, Jimmy White. "Wir alle wurden Freunde, reisten um die Welt, verbreiteten die Botschaft des Snooker, hatten Spaß und machten eine Menge Geld. Es war großartig."

Als die BBC den Sport in den Achtzigern entdeckte und Snooker Mainstream wurde, hatte Hearn alle Top-Spieler unter Vertrag. 15 Millionen Briten schauten Dennis Taylor 1985 im TV zu, wie er Weltmeister wurde. "Wir bewarben alles, und die Leute räumten die Regale leer: "Matchroom"-Badeschlappen, "Matchroom"-Rasierwasser. Es gab nichts, was es nicht gab", erinnert sich der sechsmalige Weltmeister Davis.

1987 stieg Hearn erfolgreich ins Boxen ein, baute mehr als 30 Weltmeister auf. Seit 1990 bringt er Angeln und Poolbillard ins Fernsehen, Poker folgte 2000, anschließend Darts, Golf und Bowling. Hearn besetzt Nischen – mit kommerziellem Erfolg. Sein jüngstes Projekt startete er 2012, als er im Alexandra Palace die WM im Ping Pong veranstaltete: Tischtennis mit Schlägern ohne Gummibeläge.

"Es ist sehr telegen, weil die Ballwechsel deutlich länger sind. Das klassische Tischtennis lebt vom Spin, vom Effet, die Ballwechsel sind kurz. Bei uns dagegen gibt es dieses wunderbare hölzerne Geräusch. Zudem kann es jeder spielen. Unsere Holzschläger kosten nur sieben Euro", sagt Hearn und beschreibt sein Geheimnis: "Durchlässigkeit und Erschwinglichkeit sind für den globalen Erfolg einer Sportart essenziell. Du kannst nicht auf den Philippinen oder in Sao Paulo erwarten, dass die Leute das gleiche Geld für einen Sport ausgeben wie hier. Du musst ein Spiel entwickeln, das sie sich leisten können und das einfach zu verstehen ist, damit es jeder spielen kann."

Snooker auf dem Weg zu Olympia

Der 66-Jährige ist "The People's Promoter", König des Kneipensports. Ständig fahndet er nach neuen Disziplinen, um schlummerndes Vermarktungspotenzial freizulegen. Oft wird er in der Vergangenheit fündig: "Vor 30 Jahren waren 18.000 Leute im New Yorker Madison Square Garden, um die US-Meisterschaften im Ping Pong zu schauen. Es war eine gute Idee."

Seine nächsten Projekte stehen fest: Hearn will den angestaubten Sechs-Tage-Rennen im Radsport neuen Glanz verleihen, ins Cricket-Geschäft, Triathlon vermarkten und Netball, ein dem Basketball ähnliches Spiel, etablieren, um der Nachfrage nach Frauensport gerecht zu werden. Sein großer Traum aber ist Crazy Golf. Einmal im Jahr sollen die weltbesten Golfer auf einer Mini-Golf-Anlage gegeneinander antreten. "Die Idee, Tiger Woods an der Windmühle zu sehen, oder Phil Mickelson am Looping – einfach traumhaft." Er sucht noch nach finanzkräftigen Partnern.

Im Snooker ist er da weiter. In Sheffield wird in diesem Jahr so viel Geld wie nie zuvor ausgeschüttet: 1,4 Millionen Pfund. Der Sport wächst und hat eine realistische Chance, 2020 ins Programm der Sommerspiele von Tokio aufgenommen zu werden. Es wäre eine Premiere – und für Hearn das Haus auf dem Olymp.

Comments 1

GeriX
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